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Innenohr :: Barotrauma

Schädigungen des Innenohrs durch das Tauchen kommen weit aus seltener vor als als Mittelohrverletzungen. Das ist gut so, da eine Innenohrverletzung deutlich gravierendere Folgen haben. Es kann durch aus sein, dass man durch ein Innenohrbarotrauma ertaubt, ein störendes Ohrgeräusch entsteht und bleibende Schwindelanfälle resultieren.

Entstehung:

Zugrunde liegt erneut eine Tubenbelüftungsstörung, wie auch bei einem Mittelohrbarotrauma. Es bietet sich an dieser Stelle an, nochmals auf die Anatomie des Mittelohrs und Innenohrs zu verweisen. Mechanismus:

Barotrauma des Innenohrs beim Abtauchen:

Durch eine schlecht funktionierende Ohrtrompete kommt es während des Abtauchens zu einem Unterdruck im Mittelohr. Als Kompensation wölbt sich das Trommelfell nach innen und lenkt über die Gehörknöchelchenkette das ovale Fenster in Richtung Innenohr aus. Versucht der Taucher einen forcierten Druckausgleich (auf gut deutsch: er presst sehr stark beim Valsalva-Manöver), erhöht sich der Druck im Innenohr über den Aquaeductus cochleae. Diese Drucksteigerung kombiniert mit der Auslenkung der Innenohrstrukturen durch das nach innen gewölbte Trommelfell, kann zu einem Riss der Rundfenstermembran führen. Es fließt Perilymphe aus dem Innenohr in Richtung Mittelohr und die Ernährung der Innenohrstrukturen ist gestört oder aufgehoben. Aber auch bei gelungenem Druckausgleich kann es zu einer schlagartigen Rückverlagerung der Innenohrmembranen kommen, so dass ein regelrechter Sturm durch das Innenohr fegt. In der Folge kommt es durch die Druckwelle zu einer Zerstörung von Innenohrstrukturen.

Barotrauma des Innenohrs beim Auftauchen:

Liegt eine behinderte Tubenfunktion vor, kann es zu einem Überdruck im Mittelohr kommen, der zu einer Vorwölbung des Trommelfells in den Gehörgang führt. Über die Gehörknöchelchenkette wird das ovale Fenster nach außen und die Rundfenstermembran nach innen gewölbt. Kommt es zu einem schlagartigen Druckausgleich, kann es wie oben beschrieben zu einer mechanischen Schädigung des Innenohrs oder sogar zu einer Verletzung der Rundfenstermembran kommen.

Bild 02 Mit freundlicher Genehmigung von Prof. Timothy C. Hain, Northwestern University, Chigago, USA

Es ist aber auch denkbar, dass ein Riss in der Rundfenstermembran während des Abtauchens erst während des Auftauchens symptomatisch wird, da durch den Überdruck im Mittelohr, durch den Riss der Rundfenstermembran, Luft in das Innenohr gepresst wird. Diese Luft dehnt sich während des Aufstiegs aus und führt zu einer Verletzung des Innenohrs. Es konnte schon bildgebend mittels hochauflösender Computertomographie gezeigt werden, dass nach einem Innenohrbarotrauma Luft im Innenohr vorlag.

Folgen eines Innenohrbarotraumas:

innenohrem.jpg barotraumainnenohr.jpg
Regelrechter Befund des Innenohrs bei der elektronenmikroskopischen Untersuchung. Man erkennt drei Reihen äußerer Haarzellen und eine Reihe innere Haarzellen (unten). Hier findet das Hören statt (siehe Innenohranatomie) Elektronenmikroskopisches Bild nach einem Barotrauma des Innenohrs. Man kann sehr gut erkennen, dass das Innenohr nahezu vollständig zerstört ist. Langzeitschäden sind vorprogrammiert.


Symptome:

Zunächst einmal liegt fast immer eine Mitbeteiligung des Mittelohrs vor. Das heißt es können alle Symptome eines Mittelbarotraumas vorliegen. Zusätzlich liegt häufig eine Hörminderung, ein Ohrgeräusch und Drehschwindel vor. Der Schwindel kann so stark sein, dass man nicht mehr auf den Beinen stehen kann und heftig erbrechen muss. Man darf diesen Schwindel nicht mit einer Seekrankheit verwechseln und muss sich unbedingt HNO-ärztlich untersuchen lassen. Eine sichere Beurteilung der Innenohrhörfunktion ist nur mittels Hörtest inklusive Luft- und Knochenleitung möglich.

Symptome:

Hörverlust
Tinnitus
Drehschwindel
aber auch Schmerzen
Luft aus Gehörgang
Blut aus Gehörgang
Gefühl der Flüssigkeit hinter dem Trommelfell

Therapie:

Da es sich um eine Störung der Innenohrfunktion handelt muss umgehend eine Therapie eingeleitet werden. Die Maßnahmen beim Mittelohrbarotrauma können durchgeführt werden, jedoch ist eine Therapie der Innenohrfunktion das entscheidende für den weiteren Krankheitsverlauf. Es gibt verschiedene Therapiemöglichkeiten:

Wichtig ist: eine hyperbare Sauerstofftherapie = HBO (Druckkammerbehandlung) ist nach gängiger Lehrmeinung kontraindiziert (verboten). Da es während einer Druckkammerfahrt notwendig ist einen Druckausgleich durchzuführen und hierdurch eine Druckerhöhung im Innenohr stattfindet, die zu einer erneuten Verletzung der Rundfenstermembran führen würde, darf keine HBO veranlasst werden. Ich selbst habe hierzu eine differente Meinung und werde im Folgenden näher darauf eingehen.

Differentialdiagnose:

Die Dekompressionserkrankung des Innenohrs zeigt sich durch die gleichen Symptome wie das Barotrauma des Innenohrs. Das heißt es liegen vor: Hörverlust mit/ohne Tinnitus mit/ohne Drehschwindel. Manchmal kann es sehr schwierig sein diese beiden Erkrankungen zu differenzieren. Da aber das Barotrauma des Innenohrs ohne HBO und die Innenohrdekompressionserkrankung mit HBO therapiert wird, steckt der behandelnde Arzt manchmal in der Klemme. Die folgende Tabelle soll die Differentialdiagnose beider Erkrankungen erleichtern. Aber noch einmal: es gibt viele Fälle bei denen die Unterscheidung gänzlich unmöglich ist!

Barotrauma des Innenohrs Dekompressionserkrankung des Innenohrs
Probleme mit dem Druckausgleich keine Druckausgleichsprobleme
auffälliger Trommelfellbefund normaler Trommelfellbefund
flache Tauchgänge häufig Tauchgang muss Dekompressionserkrankung möglich
machen (keine Schwimmbadtauchgänge)
Luft im Innenohr (z.B. CT) ggf. begleitende Symptome (Hautjucken,
Gelenkschmerzen, Sensibilitätsstörungen etc.)

..TODO..

Da aber eine sichere Unterscheidung oft nicht möglich ist, empfehle ich in besonderen Fällen eine hyperbare Sauerstofftherapie nach Paracentese beider Trommelfelle. Näheres hierzu kann man unter der Dekompressionserkrankung des Innenohrs nachlesen.