Anders als bei den akuten Trommelfellperforationen stellen die chronischen Trommelfellperforationen ein größeres Problem für den Taucher dar. Man muss sich zunächst einmal über Entstehung Gedanken machen bevor man über die Tauchtauglichkeit sprechen kann.
Entsteht eine chronische Trommelfellperforation aus einem Trauma heraus (z.B. einem Schlag auf das Ohr oder ein Mittelohrbarotrauma) liegen noch die günstigsten Verhältnisse vor. In solchen Fällen kann eine Operation des Trommelfells zu einer problemlosen Abheilung führen und die Tauchtauglichkeit besteht in der Regel drei Monate nach der OP.
Sind die chronischen Trommelfellperforationen jedoch aufgrund einer schlechten oder unmöglichen Tubenfunktion entstanden oder liegt gar eine chronische Knocheneiterung (Otitis media chronica epitympanalis) vor, muss man die Tauchtauglichkeit sehr viel kritischer betrachten.
Otitis media chronica mesotympanalis (Loch im Trommelfell):
Ein komplizierter Ausdruck für eine einfache Sache: aufgrund eines Traumas, einer Entzündung oder eines Tauchunfalls entsteht ein Loch im Trommelfell, das sich nicht von alleine verschließt. Ein solches Trommelfell sollte operiert werden und nach Abheilung (in der Regel drei Monate) kann wieder getaucht werden.
Bei Löchern im Trommelfell, die spontan entstanden darf die Ursachenforschung nicht vergessen werden. Manchmal sind chronische Nebenhöhlenentzündungen oder ein chronischer Schnupfen Ursache einer Tubenbelüftungsstörung, die zu einem Unterdruck im Mittelohr führt. Als Folge kann es zu einem spontanen Einriss des Trommelfells kommen. Die Tubenfunktion kann dann durchaus so schlecht sein, dass an ein Tauchen nicht zu denken ist. Manchmal ist es selbst unmöglich das Trommelfell operativ wieder zu verschließen.
Bild TC01 Beispiel für eine Otitis media chronica mesotympanalis. Man kann sehr schön das Loch im vorderen oberen Quadranten des rechten Trommelfells erkennen (bei 3 Uhr).
Otitis media chronica epitympanalis (Knocheneiterung).
Bei dieser Form der chronischen Mittelohrentzündung kommt es nicht nur zu einer Lochbildung im Bereich des Trommelfell, sondern das Loch bildet sich im Randbereich des Trommelfells am Übergang zum Gehörgang. Ursache ist in der Regel eine Tubenbelüftungsstörung, vorausgegangene Verletzungen oder Operationen und andere seltene Ursachen.
Die Gefahr besteht bei dieser Erkrankung besteht in der sogenannten Cholesteatombildung. Durch Wandern von Plattenepithel aus dem Gehörgang in das Mittelohr bildet sich eine Entzündung, die an Größe zunimmt und durch Verdrängung und durch aggressive Entzündungsstoffe die Umgebung zerstört. Dieser Vorgang läuft sehr langsam ab, so dass manchmal Jahre vergehen, bis es zu ernsthaften Symptomen kommt. Diese können dann aber sehr ausgeprägt bis lebensgefährlich sein. Die Symptome reichen von Hörverlust, Schwindel, Gesichtsnervlähmung bis hin zum Hirnabszeß mit Entstehung eines lebensgefährlichen Komas.
Eine chronische Knocheneiterung muss fast immer operiert werden. Es handelt sich hierbei um z.T. sehr ausgeprägte Operationen. Häufig muss mehrmals operiert werden. Die Beurteilung der Tauchtauglichkeit sollte dem Fachmann überlassen werden und ist unter anderem von der gewählten Operationsmethode, bzw. dem Ergebnis der Operation abhängig.
Paukenröhrchen:
Bei chronischen Tubenbelüftungsstörungen werden gelegentlich Paukenröhrchen eingelegt. Es handelt sich hierbei um kleine Kunststoff- oder Goldröhrchen, die in das Trommelfell eingelegt werden und innen hohl sind, so dass Luft in die Paukenhöhle strömen kann. Das bedeutet aber auch, dass beim Tauchen Wasser in den Gehörgang strömen würde mit der Gefahr eines Drehschwindelanfalls. Zusätzlich kann es bei Einströmen von Wasser zu Infektionen des Mittelohrs kommen. Über die Tauchtauglichkeit sollte mit dem Operateur gesprochen werden oder ein Fachmann für HNO-Heilkunde und Tauchmedizin konsultiert werden. Es bestände theoretisch die Möglichkeit mit einer speziellen Tauchmaske zu tauchen, bei der die Ohren trocken bleiben. Hierbei handelt es sich aber um eine theoretische Idee, die meines Wissens bisher nicht in der Praxis erprobt wurde.
Bild TC02 Beispiel eines Trommelfells mit vorne unten liegendem Paukenröhrchen. Das Paukenröhrchen und der Gehörgang sind mit Cerumen und Haaren etwas verlegt. Das Paukenröhrchen dient der Mittelohrbelüftung.