Tauchen nach einem Hörsturz oder mit Tinnitus

Darf ich nach einem Hörsturz tauchen und wenn ja, wann? Dies ist eine typische Frage, die ich regelmäßig in der Heidelberger Tauchersprechstunde gestellt bekomme.

Welche Rolle spielt das Tauchen auf die Innenohrfunktion? Kommt es durch das Tauchen zu einer chronischen Hörverschlechterung?

Betrachtet man die Literatur findet man sehr viele wissenschaftliche Arbeiten, die eine Hörverschlechterung bei Berufstauchern beschreiben. Allerdings kam es bei den untersuchten Tauchern zu erheblichen Lärmbelastungen, so dass man nicht unterscheiden kann, ob nur die Lärmbelastung oder auch Einflüsse des Tauchens selbst, zu nennenswerten Hörverschlechterungen führt.

Aus diesem Grund führten wir an der Heidelberger HNO-Universitätsklinik eine Studie durch, bei der wir das Hörvermögen von Sporttauchern mit dem Hörvermögen von Nichttauchern verglichen. Es zeigte sich, dass Sporttaucher und Nichttaucher kein unterschiedliches Hörvermögen haben. Diese Daten werden im Moment in einem amerikanischen Journal publiziert und befinden sich im Review Prozess. Wir gehen davon aus, dass Tauchen ohne Lärmbelastung nicht zu einer Hörverschlechterung führt.

Welche Ursachen Hörsturze zugrunde liegen ist zum heutigen Zeitpunkt noch unklar und soll an dieser Stelle nicht diskutiert werden. Man empfiehlt nach einem Hörsturz eine dreimonatige Tauchpause. Anschließend kann problemlos wieder getaucht werden. Man sollte jedoch das Resthörvermögen mit beurteilen. Dazu mehr im nächsten Kapitel.

Für Tinnitus gilt ebenfalls, dass man nach einem akuten Ereignis drei Monate mit dem Tauchen warten sollte. Anschließend bestehen keine Einschränkungen der Tauchtauglichkeit.

Manche Taucher fragen, ob die erhöhten Sauerstoffpartialdrücke unter Wasser nicht sogar Innenohrstörungen positiv beeinflussen sollten? Für diese Annahme gibt es keine Hinweise, jedoch gehe ich vom Gegenteil aus, da es beim Tauchen eher zu negativen Blutflusseigenschaften kommt.