Äußeres Ohr

 

Verschiedene Probleme und Erkrankungen können die Tauchtauglichkeit im Bereich des äußeren Ohres einschränken und dadurch auch die Freude am Tauchen komplett aufheben.

Ein sehr häufiges Problem beim Tauchen stellt die wiederkehrende  Gehörgangsentzündung dar. Seltener spielen
 Gehörgangsexostosen eine Rolle. Sie werden in den jeweiligen Kapiteln in der Rubrik Erkrankungen beschrieben. In diesem Beitrag soll es um die vorrübergehenden und permanenten Einengungen des Gehörgangs gehen. Erstere führen zu einer vorübergehenden Tauchuntauglichkeit, während letztere abhängig vom Maß der Einengung eine permanente Tauchuntauglichkeit nach sich ziehen können.

Vorübergehende Lumeneinengung

Gehörgangsentzündung

Häufigste Ursache für Ohrprobleme überhaupt stellt sicher die Gehörgangsentzündung dar. Gerade in tropischen Gewässern klagen manche Taucher nach jedem Tauchgang über quälenden Juckreiz des Gehörgangs, manchmal mit anschliessender Schwellung der ganzen Ohrmuschel. Es sollte auf das Tauchen verzichtet werden, solange keine ausreichende Belüftung des Gehörgangs gewährleistet ist.

Cerumen

Ohrenschmalz (Cerumen) kann den Gehörgang komplett verlegen, so dass ein Barotrauma des Außenohrs entstehen kann. Patienten, die zu starker Ohrenschmalzproduktion neigen, ist es anzuraten sich das Ohr vor dem teuren Tauchurlaub kontrollieren zu lassen, um es gegebenfalls zu spülen.

Ohrenstöpsel

Ohrenstöpsel führen zu einem Verschluss der Gehörgangs. Hierdurch kommt es beim Abtauchen zu einer Volumenveringerung der eingeschlossenen Luft im Gehörgang. Folge ist ein Barotrauma des Außenohrs. Der gleiche Effekt tritt bei Fremdkörpern im Ohr auf. Aus diesem Grund sind Ohrenstöpsel beim Tauchen absolut verboten.

Eng anliegende Kopfhaube:

Hierbei kommt es zu einer Volumenminderung im Gehörgang, so dass es zu Schmerzen, Blutungen und schlimmstenfalls sogar zu einer Verletzung des Trommelfells kommen kann. Man sollte diesem Problem durch Perforation der Kopfhaube im Bereich des Gehörgangs vorbeugen, wenn die Kopfhaube zu einem hermetischen Abschluss des Gehörgangs führt.

Permanente Einengungen des Gehörgangs

Häufigste Einengungen des Gehörgangs sind v.a. bei Tauchern und Schwimmern durch Exostosen verursacht. Es handelt sich um gutartige Knochenwucherungen, die meistens keine relevante Obliteration des Gehörgangs verursachen. Werden sie jedoch größer kann es gehäuft zu Gehörgangsentzündungen kommen, oder der Gehörgang wird durch zusätzliche Ohrenschmalzbildung verlegt. Es kann dadurch zu einem Barotrauma des Außenohrs kommen. Aus diesem Grund sind die Exostosen in solchen Fällen zuerst operativ zu entfernen. Mehr kann man in dem Kapitel Exostosen lesen.

Es gibt angeborene Fehlbildungen des Gehörgangs oder nur teilangelegte Gehörgänge. Manchmal kann es durch chronische Entzündungen zu einem bindegewebigen Verschluss des Gehörgangs kommen. Manchmal gibt es auch doppelt angelegte Gehörgänge. Die Entscheidung, ob eine Einschränkung der Tauchtauglichkeit vorliegt kann nur ein Fachmann fällen und lässt sich nicht pauschal beantworten.

 
Impressionen - Tauchgang  © 2017 Dr. Klingmann

Druckausgleichsprobleme

 
Tubendilatation

© Dr. med. Christoph Klingmann

Druckausgleichsprobleme sind schon immer das Problem Nummer eins in meiner HNO Tauchersprechstunde gewesen.

Rund 80 % der Probleme beim Tauchen betreffen das HNO-ärztliche Fachgebiet, bei Kindern sind es sogar 85%. In einer Analyse der Fälle meiner spezialisierten Sprechstunde stellte sich jeder vierte Taucher mit Problemen bei der Mittelohrbelüftung vor. Woran liegt dies und was kann man dagegen machen?

Anatomie

Das Mittelohr ist durch das Trommelfell luftdicht nach außen abgeschlossen. Damit der Schall problemlos auf das Innenohr übertragen werden kann, muss es möglichst ohne Verlust durch das Mittelohr übertragen werden. Hierzu dienen die Gehörknöchelchen, die in einem luftgefüllten Raum schwingen. Die Luft kommt über die Ohrtrompete oder auch Eustach’sche Röhre aus dem Nasenrachenraum in das Mittelohr. Die Gaumenmuskulatur setzt an der Ohrtrompete an und öffnet diese bei jedem Schlucken, Gähnen oder auch beim Sprechen. Unter Wasser wird der Druckausgleich meist durch eine aktive Druckerhöhung im Nasenrachenraum ermöglicht, da sich die Ohrtrompete dann öffnet und Luft ins Mittelohr strömen lässt.

Tubendilatation

© Dr. med. Christoph Klingmann

Während des Auftauchens dehnt sich die Luft im Mittelohr aus und strömt bei einer gesunden Ohrtrompete passiv aus dem Ohr in den Nasenrachenraum.

Das Mittelohr beim tauchenden Säugetier

Im Gegensatz zu uns landlebenden Säugetieren, haben die tauchenden Säugetiere, wie Delphine, Robben und Wale eine sehr kluge Konstruktion im Ohr. Ein kleines flexibles Blutschwämmchen dehnt sich beim Abtauchen aus und gleicht den Volumenverlust aus, der durch den höheren Umgebungsdruck entsteht. Deshalb müssen unsere tauchenden Freunde aus dem Tierreich keinen Druckausgleich machen. Leider funktioniert dies bei uns nicht in dieser Weise und wir müssen auf die eine oder andere Art für einen Druckausgleich im Mittelohr sorgen. Das funktioniert beim einen Taucher besser und beim anderen Taucher schlechter.

Wer ist betroffen?

Häufig handelt es sich um Tauchanfänger, die Probleme mit dem Druckausgleich haben bzw. Probleme mit dem Handling der gesamten Tauchausrüstung unter Wasser haben und deshalb zu wenig Zeit auf ihr Ohr und den Druckausgleich zu achten. Grundsätzlich ist ein Problem mit dem Druckausgleich nämlich immer ein Missverhältnis zwischen zu schnellem Abtauchen und der momentanen Möglichkeit einen Druckausgleich durchzuführen.

Tubendilatation

© Dr. med. Christoph Klingmann

Würde man sich Stunden für den Druckausgleich Zeit lassen, könnte nämlich jeder Mensch abtauchen, da auch durch das Blut und Diffusion von Luft aus dem Blut ins Mittelohr ein Druckausgleich stattfände. Da diese lange Zeit aber den Spaß am Tauchen mächtig verderben würde, möchte man natürlich so schnell wie eben für die aktuelle Abtauchgeschwindigkeit notwendig die Belüftung des Mittelohrs sicherstellen. Am wichtigsten ist dies übrigens für die Apnoetaucher und UW Rugbyspieler, da diese beiden Gruppen naturgemäß am wenigsten Zeit für die Durchführung des Druckausgleichs haben. Es trifft aber auch sehr erfahrene Taucher. Viele der in meiner Tauchersprechstunde behandelten Taucher sind langjährige Taucher, die beispielsweise nach einer Erkältung keinen ordentlichen Druckausgleich mehr durchführen können. Die Erkältung hat sich also chronifiziert. Aber auch Tauchausbilder, die bei einem Notaufstieg dem Paniktaucher nachtauchen mussten, entwickeln manchmal nach so einem Notaufstieg eine chronische Tubenbelüftungsstörung, d.h. die Ohrtrompete funktioniert nicht mehr richtig. Man kann also grundsätzlich sagen, dass jeder Taucher von Problemen mit dem Druckausgleich heimgesucht werden kann.

Was kann man selbst unter Wasser tun?

Wichtigste Regel ist immer erst einmal die Abtauchgeschwindigkeit an die Mittelohrbelüftung anzupassen. Funktioniert die Ohrtrompete nicht so gut, muss man eben langsamer abtauchen.

  • Entscheidend ist die Durchführung des Druckausgleichs bevor man einen Druck auf den Ohren spürt. Ein Druck auf den Ohren ist immer schon ein Zeichen für einen Unterdruck auf dem Ohr, der die Schleimhaut schwellen lässt und im weiteren Verlauf des Tauchgangs zu Problemen führen kann.
  • Tubendilatation

    © Dr. med. Christoph Klingmann

     
  • Man sollte ausreichend Blei dabei haben, so dass man sich langsam sinken lassen kann und dies auch mit den Füssen voran. Dies gilt natürlich nur für Taucher mit Problemen beim Druckausgleich. Warum? Abtauchen kopfüber führt zu einem erhöhten venösen Druck und damit zu einem anschwellen der Schleimhaut und kann die Mittelohrbelüftung erschweren.
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  • Druckausgleich regelmäßig durchführen: die ersten 4 Meter sollte man alle 30 cm den Druckausgleich durchführen, um die großen Volumenschwankungen im Ohr auf den ersten Metern auszugleichen.
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  • Flachwasser Jo-Jo tauchgänge vermeiden: die ersten Meter sind die gefährlichsten für druckbedingte Schädigungen und die schwierigsten für die Ohrtrompete. Zwar steigt er Druck unter Wasser kontinuierlich und gleichmäßig an, aber die Volumenschwankungen in den luftgefüllten Hohlräumen des Körpers, und dazu gehört auch das Mittelohr, sind in den ersten Metern am größten.

Was kann man ohne den Tauch-Doc tun?

Die Mittelohrbelüftung lässt sich auch unabhängig vom Tauchen trainieren. Die Muskeln, die die Ohrtrompete öffnen lassen sich trainieren wie jeder andere Muskel in unserem Körper auch. Geht man joggen trainiert man unter anderem die Beinmuskulatur, stemmt man Hanteln trainiert man die Armmuskulatur und macht man im Trockenen einen Druckausgleich so trainiert man eben die Ohrtrompetenmuskulatur. Deshalb sollten Taucher mit Druckausgleichsproblemen bis zu 50 mal am Tag einen Druckausgleich durchführen. Dem Trommelfell und dem Mittelohr macht das gar nichts aus. Je öfter man Druckausgleich macht, umso wohler fühlt sich das Ohr. Also ist bei Druckausgleichsproblemen ein Ohrtrompeten-Muskeltraining angesagt. Wir nennen das Tubentraining: Alle 10 Minuten Druckausgleich durchführen, bis der Druckausgleich immer leichter funktioniert.

Tubendilatation

© Dr. med. Christoph Klingmann

Um die Schleimhaut, die die Ohrtrompete auskleidet zu pflegen und mögliche chronische Entzündungen zu behandeln ist zusätzlich ein Schleimhaut-Pflegeprogramm angesagt. Dazu sollte man morgens und abends Kochsalz Nasenspülungen durchführen. Dazu kann man eine Nasendusche verwenden (im Sanitätshandel oder in der Apotheke zu kaufen) oder aber ganz altmodisch das kochsalzhaltige Wasser in die flache Hand nehmen und durch die Nase einziehen und durch den Mund ausspucken. Klingt eklig…ist es auch. Hilft aber. Wir empfehlen einen gestrichenen Esslöffel Kochsalz pro Liter Wasser.

Was macht der auf Tauchmedizin spezialisierte HNO-Arzt?

Es gibt viele Ursachen für Druckausgleichsprobleme beim Tauchen. Chronische Nasennebenhöhlenentzündungen, anatomische Besonderheiten, Vernarbungen im Nasenrachen, gut- und sehr selten bösartige Tumoren im Nasenrachen und manchen mehr, dass durch eine endoskopische Untersuchung durch den HNO-Arzt ausgeschlossen werden sollte. Findet sich keine Ursache, die anderweitig behoben werden kann, empfehlen wir die obengenannten Maßnahmen und unterstützen die Behandlung einer möglichen chronischen Entzündung der Schleimhaut durch örtlich wirkende Kortison Nasensprays.

Tubendilatation

© Dr. med. Christoph Klingmann

Diese Maßnahmen sollten für wenigstens 6 Wochen durchgeführt werden und dann im Rahmen eines Probetauchgangs getestet werden, ob die erfolgreich waren. Ist dies nicht der Fall, gibt es seit kurzem eine neue vielversprechende Methode zur Behandlung von Tubenbelüftungsstörungen.

Operative Behandlung von Tubenbelüftungsstörungen

Es gibt eine Vielzahl von operativen Behandlungen, die bei Tubenbelüftungsstörungen angewandt wurden. Tubenendoskopie, Tubenlaserverfahren, Golddraht Einlegen, Tubensprengung und vieles mehr. Keines dieser Verfahren hat sich bisher durchsetzen können. Seit kurzem gibt es ein sehr vielversprechendes Verfahren, dass wir im Rahmen einer wissenschaftlichen Untersuchung im DIAKO in Bremen getestet haben. Hierzu wurde dem Patienten (diese Methode wird auch bei Nichttauchern angewandt) in Narkose ein Instrument in die Nase eingeführt.

Über dieses Instrument wird ein Katheter in die Ohrtrompete der betroffenen Seite oder auch beider Seiten eingeführt. Der Katheter funktioniert ähnlich einem Katheter den man aus der Herzkranzgefäß-Dilatation kennt, der so genannte „Herzkatheter“. Der Katheter, der speziell für die Ohrtrompete emtwickelt wurde, wird in die Ohrtrompete eingeführt und dort für zwei Minuten auf 10 bar mittels Kochsalzlösung aufgepumpt.

Tubendilatation

© Dr. med. Christoph Klingmann

Dabei dehnt er sich auf ein definiertes Maß von 3,6 mm aus und dehnt die Ohrtrompete auf.

Erfolgsaussichten bei Tauchern

Unsere wissenschaftliche Studie an Tauchern ist noch nicht ausgewertet, allerdings zeigt die vorläufige Analyse einen großen erfolg der Methode bei Tauchern. Ich kann das Verfahren für Taucher, die auf eine konservative Behandlung keine Verbesserung erfahren haben, unbedingt empfehlen.

Die Tubendilatation wird von mir in Vollnarkose durchgeführt und ist eine Behandlung, die von den gesetzlichen und privaten Krankenkassen erstattet wird. Bei Interesse freue ich mich über eine  Kontaktaufnahme. Selbstverständlich funktioniert die Methode auch sehr gut bei Leuten, die beim Fliegen Probleme haben.

 

Gleichgewichtsstörungen beim Tauchen

 

Das Gleichgewichtssystem spielt eine wichtige Rolle beim Tauchen. Da es v.a. bei schlechter Sicht schwierig sein kann sich zu orientieren, ist man als Taucher umso mehr auf die räumliche Wahrnehmung durch das Gleichgewichtsorgan angewiesen. Aus diesem Grund sind akute und chronische Erkrankungen, die mit Drehschwindel einhergehen ein Ausschlusskriterium für die Tauchtauglichkeit.

Der Druckdifferenzschwindel ist von den Erkrankungen des Gleichgewichtsorgans zu trennen, da es sich um ein häufiges Symptom von Sporttauchern handelt und nicht um eine Erkrankung im eigentlichen Sinn.

 Beispiele für Erkrankungen, die mit dem Tauchen nicht vereinbar sind:

 
  • Neuropathia vestibularis: Eine Erkrankung des peripheren Gleichgewichtsorgans, das mit Drehschwindel, Erbrechen und Übelkeit einhergeht. Das Hörorgan ist definitionsgemäß nicht betroffen.
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  • Hörsturz mit vestibulärer Komponente: Ein Hörsturz kann mit einer Mitbeteiligung des Gleichgewichtsorgans vorliegen. Der Patient bemerkt neben einer Hörminderung und/oder Tinnitus ein Drehschwindelgefühl oder einen Schwank- und Liftschwindel.
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  • Morbus Menière: eine Sonderform eines Hörsturzes, der üblicherweise mit einer Hörminderung im Tieftonbereich, Tinnitus und anfallsartigen Schwindelattacken einhergeht.
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  • Zentrale Gleichgewichtstörungen: Schlaganfälle, Multiple Sklerose, Kleinhirnaffektionen u.a.
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  • benigner paroxysmaler Lagerungsschwindel: eine spezielle Form einer Erkrankung des Gleichgewichtsorgans, bei der kleine Kristalle in den Bogengängen flotieren und die Rezeptoren für die Orientierung im Raum reizen. Es kommt vor allem bei Körperbewegungen und in bestimmten Körperlagen zu Schwindelsymptomen.
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  • Vertebragene Schwindel gehen von der Wirbelsäule aus und können bei bestimmten Kopfhaltungen auftreten.
 

Da es durch plötzliches Auftreten von Schwindelsymptomen unter Wasser zu gefährlichen Situationen kommen kann (z.B. Notaufstieg mit Lungenverletzungen oder Verletzung der Dekompressionsvorschriften) besteht durch die obengenannten Erkrankungen eine Tauchuntauglichkeit.

Man kann nach kompletter Ausheilung der Erkrankungen in vielen Fällen wieder tauchen, jedoch sollte man sich zunächst HNO-ärztlich untersuchen lassen, um festzustellen ob wirklich keine Residuen der Erkrankung vorliegen.

 
Priv. Doz. Dr. Klingmann beim Tauchgang auf den Malediven  © 2017 Dr. Klingmann

Heuschnupfen und Tauchen

 

Eine verstopfte Nase, Nies- und Juckreiz, tränende Augen und ständiges Nasenlaufen zu den unpassendsten Momenten.

Die Rede ist von den allergischen Erkrankungen der Nasenschleimhaut, die oft als Volkskrankheit Heuschnupfen auftreten. In Europa sind immerhin 10 bis 15 Prozent der Bevölkerung von der allergischen Rhinitis (Entzündung der Nasenschleimhaut) betroffen.

Entstehung der allergischen Rhinitis

Die allergische Rhinitis kann ganzjährig auftreten oder nur bestimmte Jahreszeiten betreffen. Die Hälfte der betroffenen Patienten leidet an einer Pollenallergie, die man als Heuschnupfen bezeichnet.

Eine Überempfindlichkeit der Schleimhaut der Nase, der Nasennebenhöhlen und des Rachens führt zu einer über das Immunsystem vermittelten Entzündungsreaktion im Gewebe. In der Folge kommt es zu einer Ausschüttung von verschiedenen körpereigenen Entzündungsbotenstoffen (der bekannteste ist das Histamin).

Unter normalen Umständen lernt unser Immunsystem ständig neue körperfremde Stoffe kennen und entwickelt Abwehrstrategien, um einen Befall des Körpers zu verhindern. Hierzu wird das Allergen von Helferzellen aufgenommen und den antikörperproduzierenden Abwehrzellen präsentiert. Der Körper bildet verschiedene Abwehrstoffe und Antikörper, die bei einem erneuten Kontakt mit dem Allergen eine Infektion verhindern sollen. Solche Antigene können Viren und Bakterien sein oder aber auch Pollen, Pilze, Hausstaubmilben und viele andere Stoffe. Ohne die Hilfe unseres Immunsystems hätten wir keine Überlebenschance, da der Körper ständig mit Erregern bombardiert wird.

Als Allergene kommen Pollen, Schimmelpilze, Hausstaubmilben, Tierallergene, Nahrungsmittelallergene und Berufsallergene in Betracht. Man unterscheidet die saisonale allergische Rhinitis (Heuschnupfen) von der ganzjährigen allergischen Rhinitis.

Die wichtigsten Auslöser des Heuschnupfens (allergische Rhinitis) sind folgende Pollen:

  • Weide, Haselnuss, Erle (Januar bis März)
  • Birke (April bis Mai)
  • Gräser und Roggen (Juni bis August)
  • Beifuß und Wegerich (August bis September)
 

Die ganzjährige allergische Rhinitis wird durch folgende Allergene ausgelöst:

  • Hausstaubmilben (in Betten, Sitzbezügen, Autositzen etc.)
  • Schimmelpilzsporen (in feuchten Umgebungen)
  • Tierallergene (Katze, Hund, Nager, Pferd u.a.)
  • Nahrungsmittel
  • Berufsallergene (Mehl bei Bäckern, Holz bei Schreinern…)

Symptome

Patienten mit Heuschnupfen leiden an einer verstopften Nase, die durch die Schwellung der Schleimhaut in der Nasenhöhle entsteht. Die entzündete Schleimhaut scheidet viel Flüssigkeit ab, so dass es zum Fließschnupfen kommt. Der Körper versucht durch diese Reaktion, die Antigene auszuwaschen. Die Nasenschleimhaut schwillt durch die allergische Reaktion aufgrund der Mehrdurchblutung an und die Nase geht zu.

Diese Symptome ähneln dem herkömmlichen Schnupfen, der jedoch nicht durch eine Allergie sondern meistens durch virale Infektionen ausgelöst wird. Typisch für den Heuschnupfen ist der Juckreiz in der Nase, der zu Niesattacken führt. Oft sind die Augen beteiligt, da es über Reflexbahnen, zu einer Mitreizung der Bindehäute kommt. Die Augen können auch direkt durch die Allergene gereizt werden. Meistens erkennt man Heuschnupfen-Patient schon von weitem an ihren geröteten und geschwollen Augen und der roten Nase (durch ständiges Naseputzen).

Im Rahmen einer allergischen Rhinitis kommt es häufig zur Mitbeteiligung der Schleimhaut in den Nasennebenhöhlen. Da die Nebenhöhlen nur durch enge Zugangswege mit der Nasenhaupthöhle verbunden sind, kann die Schleimhautschwellung zu einem Verschluss der Zugangswege zu den Nasennebenhöhlen führen und es entsteht eine akute Nasennebenhöhlenentzündung. Diese äußert sich durch ein Druckgefühl über den Nebenhöhlen (meistens im Bereich der Wange, zwischen den Augen oder über der Stirn) und Kopfschmerzen. Tritt zusätzlich eine bakterielle oder virale Besiedlung auf, kommt es zu Fieber und schweren Krankheitsgefühl. Das Nasensekret wird zähflüssiger und beginnt sich zu verfärben indem es gelblich bis grün wird.

Da die Belüftung der Ohren durch die Ohrtrompete im Nasenrachen beginnt treten durch den Heuschnupfen häufig Probleme mit dem Druckausgleich auf. Durch die Entzündung der Schleimhaut in der Nase und im Nasenrachen schwillt die Eustach’sche Röhre häufig mit an und es entwickelt sich eine Mittelohrentzündung.

Da oft nicht nur die oberen Atemwege betroffen sind klagen viele Patienten mit Heuschnupfen zusätzlich über eine Engegefühl über der Brust, nächtliche Atemnot, laute Atemgeräusche bei Anstrengungen und eine ungewöhnliche Kurzatmigkeit. Diese Symptome sind Ausdruck einer Beteiligung der Bronchien und können als beginnendes oder schon bestehendes Asthma interpretiert werden und sind sehr ernst zu nehmen.

Wann treten die Symptome auf und wie ist der Krankheitsverlauf?

Entscheidend dafür wann die ersten Symptome im Jahr auftreten, ist der erste Allergenkontakt. Es gibt die verschiedensten Allergien, die zu völlig unterschiedlichen Jahreszeiten auftreten können (siehe oben). Es gibt Allergene, die schon im Januar auftreten können während andere erst im September Probleme bereiten. Aus diesem Grund leidet der eine schon vor Beginn des Frühlings über Juck- und Niesreiz in der Nase und der andere bekommt vielleicht erst im Spätsommer eine verstopfte Nase.

Durch die ständige Arbeit des Immunsystems und die gesteigerte Ausschüttung von Entzündungsstoffen klagen viele Patienten mit Heuschnupfen über eine gesteigerte Müdigkeit und Konzentrationsstörungen, da sie nachts aufgrund der Beschwerden nicht schlafen können.

Häufig entwickeln sich weitere Allergien, die zu Beginn der Erkrankung nicht vorlagen, die den Krankheitsverlauf verlängern. Die Symptome des Heuschnupfens können sich über die Jahre steigern und bei jedem dritten Patienten entwickelt sich eine ganzjährigen Rhinitis. Bei den ganzjährigen allergischen Erkrankungen der Nasenschleimhaut steht eine behinderte Nasenatmung und ein Trockenheitsgefühl im Rachen im Vordergrund der Beschwerden. Diese Patienten klagen seltener über Nies und Juckreiz.

Eine große Gefahr der allergischen Rhinitis stellt der Etagenwechsel dar: bei 20 –30 Prozent der Patienten mit allergischer Rhinitis bildet sich im Lauf der Jahre ein Asthma aus! Das ist ein wichtiger Grund diese Erkrankung sehr ernst zu nehmen und frühzeitig zu behandeln.

Symptome des Heuschnupfens

  • Juckreiz in der Nase und den Augen
  • Auftreten von Niesattacken
  • Wässriges Nasenlaufen
  • Verstopfte Nase
  • Druck auf den Ohren (durch Schwellung der Ohrtrompete)
  • Druck über den Nasennebenhöhlen (Stirn, Wange, zwischen den Augen)
  • Engegefühl in der Brust (Vorsicht Asthma!)
  • Luftnot bei Belastung mit offenem Mund (Vorsicht Asthma!)
  • Nächtliches Aufwachen mit Atemnot (Vorsicht Asthma!)

Diagnostik

Einen erheblichen Anteil zur Diagnosefindung stellt die Erhebung der Krankengeschichte dar. Es ist entscheidend den Patienten nach Art und der Zeit des Auftretens von Symptomen zu fragen. Der nächste Schritt ist die HNO-ärztliche Untersuchung, die einen Hinweis auf Ausmaß und eventueller Begleiterkrankungen gibt. Besteht der Verdacht auf das Vorliegen einer allergischen Erkrankung können verschieden Hauttests und Antikörperbestimmungen im Blut durchgeführt werden. Ist das auslösende Antigen erst einmal identifiziert kann man noch einen Belastungstest durchführen, bei dem das Allergen in die Nase appliziert wird und man die Durchflussrate der Nase misst. Liegen begleitende Erkrankungen der Nasennebenhöhle vor sollte eine Computertomographie (Röntgenschichtuntersuchung der Nasennebenhöhlen) durchgeführt werden.

Bei Hinweisen auf eine Beteiligung der Lunge muss unbedingt eine Untersuchung der Lungenfunktion beim Lungenfacharzt erfolgen. Denn Asthma ist eine ernstzunehmende Erkrankung, nicht nur für Taucher.

Therapie

Es gibt verschieden Ansätze in der Behandlung der allergischen Rhinitis: kausale und symptomatische Therapieansätze.

Vorzugsweise sollte natürlich eine kausale Therapie durchgeführt werden. Als erstes versucht man eine Allergenkarenz, d.h. man versucht das Allergie auslösende Antigen zu meiden. Während diese Strategie bei ganzjährigen Allergien leichter durchzuführen ist (z.B. Katzenhaarallergie, Hausstaubmilbenallergie) ist es sehr schwierig sich vor dem Pollenflug zu schützen. Es gibt jedoch verschiedene Möglichkeiten die Belastung durch Pollen und andere freifliegende Allergien zu reduzieren. Näheres findet man am Ende dieses Textes.

Ist das auslösende Allergen identifiziert kann man eine Hyposensibilisierung durchführen. Bei dieser Methode wird in der symptomfreien Zeit, einmal die Woche, eine sich steigernde Menge des Allergens unter die Haut gespritzt. Ziel dieser Behandlung ist die langsame Gewöhnung des Körpers an das Allergen. Der Vorteil dieser Methode ist die Möglichkeit die Erkrankung komplett zur Ausheilung zu bringen. Durch die Hyposensibilisierung wird auch die Gefahr eines Etagenwechsels, d.h. die Entwicklung eines Asthmas, reduziert. Der Nachteil dieser Methode ist die lange Dauer der Therapie und die Gefahr der Auslösung eines allergischen Schocks. Aus diesem Grund muss man als Patient nach Applikation der Spritze eine halbe Stunde überwacht werden. Insgesamt muss die Therapie drei bis fünf Jahre durchgeführt werden.

In Begleitung zu kausalen Therapieansätzen wird in der Regel zusätzlich eine symptomatische Therapie durchgeführt. Hier kommen verschiedene Wirkstoffe zum Einsatz, die alle die überschießende Immunantwort reduzieren sollen. Als eine der ersten Wirkstoffe, die entwickelt wurden, gab es die Cromoglicinsäure. Sie ist sehr nebenwirkungsarm, muss allerdings mehrfach täglich angewendet werden und wirkt erst nach mehreren Tagen. Sie hilft nur bei schwachen Symptomen.

Häufig eingesetzte Präparate sind die Antihistaminika. Sie werden als Tablette oder Spray einmal täglich eingenommen und lindern schnell und effektiv v.a. die Symptome Juck- und Niesreiz und weniger die verstopfte Nase. Nachteil der Antihistaminika ist die Entwicklung von Müdigkeit. Auch wenn manche Präparate in der Werbung mit dem Slogan „für Piloten zugelassen“ vertreten sind, können sie für Taucher nicht empfohlen werden. Denn es liegen noch keine ausreichende Erkenntnisse vor, bezüglich der Entwicklung der Nebenwirkung beim Tauchen. Es besteht v.a. die Gefahr eines verfrühten Tiefenrauschs, die Gefahr der erhöhten Toxizität von Sauerstoff und einer verlangsamte Reaktionen unter Wasser. Unabhängig vom Tauchen sind die Antihistaminika jedoch sehr empfehlenswert bei der Behandlung des Heuschnupfens.

Eine für Taucher sehr sinnvolle Therapie sind örtlich angewendete Kortisonsprays. Sie haben einen sehr guten Effekt auf den Schwellungszustand der Nase und sorgen somit für eine Belüftung der Nasennebenhöhlen, was für Taucher unabdingbar ist. Sie wirken ebenfalls sehr gut gegen den Juck- und Niesreiz in der Nase und helfen auch gegen Symptome im Bereich der Augen, da diese oft nur durch eine Reizung der Nasenschleimhaut verursacht werden. Der Nachteil der Kortisonpräparate besteht in dem langsameren Wirkungseintritt als bei den Antihistaminika, so dass sie frühzeitiger und prophylaktisch eingesetzt werden müssen. Als Nebenwirkung tritt bei ca. fünf Prozent der Patienten Nasenbluten auf. Keine Angst muss man vor systemischen Nebenwirkungen der Kortisonpräparate haben. Moderne Sprays wirken fast ausschließlich in der Nasenschleimhaut und führen zu keinen systemischen Nebenwirkungen. Sie sind z.T. sogar schon für die Behandlung von Kindern ab 2 Jahren zugelassen. Leider geistern noch immer Abneigungen gegen Kortisonpräparate in den Köpfen der Patienten herum, obwohl sie hochwirksam sind und sehr nebenwirkungsarm. Während des Sporttauchens würde ich nur örtliche Kortisonpräparate empfehlen.

Abschwellende Nasentropfen sind leider manchmal unvermeidlich, wenn die Beschwerden trotz umfangreicher Therapie nicht besser werden. Sie dürfen nur für maximal 10 Tage eingesetzt werden und sind bis mindestens zwölf Stunden vor dem Tauchen abzusetzen.

Kausale Therapie:

diese Therapie ist sehr wichtig zur Vermeidung der Entstehung eines Asthmas:

  • Allergenkarenz (schwierig bei Pollen)
  • Hyposensibilisierung (langwierig aber erfolgreich in der Vermeidung von Asthma)

Symptomatische Therapie:

  • Cromoglicinsäure bei schwachen Symptomen
  • Antihistaminika (nur wenn nicht getaucht wird): schnell wirksam
  • Örtliche Kortisonpräparate: sehr wirksam und dürfen auch vor Tauchgängen angewendet werden
  • Abschwellende Nasentropfen: kurzfristig anwendbar, jedoch nicht vor dem Tauchen!

Tauchtauglichkeit

Eine pauschale Antwort zur Tauchtauglichkeit bei Patienten mit Heuschnupfen gibt es nicht. Der behandelnde Arzt muss zusammen mit dem Taucher das Ausmaß der Erkrankung bestimmen, um die Tauchtauglichkeit zu beurteilen. Weiterhin muss beachtet werden, ob die Tauchtauglichkeit für die heimischen Seen oder für ein nahezu pollenfreies Land wie Ägypten bestimmt werden soll. Patienten, die in Deutschland fast keine Luft durch die Nase bekommen und vielleicht komplett zugeschwollenen Nasennebenhöhlen haben, können in Ägypten völlig beschwerdefrei sein.

Abhängig vom Ausmaß der Symptome kann die Tauchtauglichkeit bescheinigt werden, wenn der Taucher nur leichtgradige Symptome angibt, z.B. etwas Juckreiz und Nasenlaufen und die Tubenfunktion vollständig erhalten ist und keine Beschwerden im Bereich der Nasennebenhöhlen vorliegen. Prinzipiell ist ein Probetauchgang in einer Druckkammer oder im Schwimmbad sinnvoll. Liegt eine stärkere Beeinträchtigung der Nasenluftpassage vor, klagt der Taucher über ein Druckgefühl über den Nasennebenhöhlen oder hat er gar Probleme mit dem Druckausgleich darf nicht getaucht werden.

Nach Abklingen der Symptome (also nach der Pollenflugzeit oder in einer pollenfreien Zone) kann man tauchen, sofern es nicht zu einer Chronifizierung der Symptome gekommen ist (z.B. durch Ausbildung von Polypen in der Nase).

Zusammenfassung

Der Heuschnupfen ist eine häufig auftretende Erkrankung der oberen Atemwege. Während der Pollenflugzeit sollte auf das Tauchen verzichtet werden. Eine frühzeitige Therapie ist sehr empfehlenswert, damit es im Lauf der Jahre nicht zur Entwicklung eines Asthmas kommt und die Tauchtauglichkeit auf Dauer eingeschränkt wird.

Maßnahmen zur Reduktion der Pollenbelastung

  • Vermeidung von Spaziergängen in der Natur, vor allem in der Saison.
  • Erfragen der Pollendaten über Polleninformationsdienste und Pollenflugkalender. Pollenbelastungen von 25-50 Pollen/m3 und mehr verursachen Beschwerden.
  • Lüftung der Wohnung spätabends, wenn die Pollenkonzentration in der Luft niedrig ist. Fenster morgens (2-3 Stunden nach Sonnenaufgang) und am Nachmittag geschlossen halten.
  • Haarewaschen vor dem Zubettgehen. Keine getragene Kleider ins Schlafzimmer mitnehmen
  • Während der Autofahrt Fenster geschlossen und die Lüftung ausgeschaltet lassen. Alternative: Pollenfilter einbauen lassen.
  • Arbeiten im Freien während der Pollensaison vermeiden
  • Gezielte Urlaubswahl: Jahresurlaub am Meer oder im Gebirge in die Zeit des Pollenflugs legen, da dort der Pollenflug sehr gering ist.

Tauchen mit Schwerhörigkeit oder Taubheit

Taubheit:

Ist ein Patient vollständig ertaubt, stellt dieser Zustand weniger ein medizinisches Problem als ein organisatorisches Problem dar. Ist es dem Tauchlehrer möglich eine suffiziente Ausbildung durchzuführen (z.B. durch Gebärdensprache) steht dem Tauchen nichts im Wege. Da unter Wasser der Schall wesentlich schneller (ca. 4,5 fach) fortgeleitet wird und so kein Richtungshören möglich ist, können auch Normalhörende das Hörvermögen nur bedingt gebrauchen. Es muss beim Tauchen jedoch beachtet werden, dass man gewisse Regeln einhält: ein Normalhörender muss die Tauchgruppe begleiten, da er Gefahren zumindest wahrnehmen kann und es müssen optische Warnmittel mitgeführt werden.

Cochlea Implants:

Man kann heute Ertaubte mittels eines Innenohrhörgeräts (genannt Cochlea Implant) versorgen. Diese Hörgeräte erlauben akustische Wahrnehmungen bis hin zum Sprachverständnis. Man darf dieses Hören jedoch nicht mit unserer Schallwahrnehmung gleichsetzen, da das menschliche Gehör wesentlich mehr leisten kann, als man heutzutage noch mit Cochlea Implants erreichen kann. Technisch wird ein Stimulationsdraht in die Cochlea eingeführt, der den Hörnerv elektrisch stimuliert. Das Gerät zur Stimulation sitzt zum Teil unter der Haut hinter dem Ohr und wird zum Teil auf der Haut außen getragen. Da es viele verschiedene Hersteller gibt, kann an dieser Stelle keine allgemein gültige Aussage zur Tauchtauglichkeit von Cochlea-Implant Trägern geben.

Schwerhörigkeit:

Ein anderes Problem stellt die Schwerhörigkeit dar. Anders als bei den Ertaubten kann hier noch Hörvermögen verloren gehen. Aus diesem Grund ist die Tauchtauglichkeit strenger zu beurteilen. Einseitig Ertaubte haben zum Beispiel eine Minderung der Erwerbsfähigkeit von 10%. Käme es durch einen Tauchunfall zu einem Verlust des Hörvermögens der gesunden Seite, läge nun eine komplette Ertaubung vor, so dass eine Erminderung der Erwerbsfähigkeit von 80 % vorliegt. Das ist ein riesiger Unterschied! Aus diesem Grund ist eine Tauchtauglichkeit bei einseitig Ertaubten sehr zurückhaltend zu erteilen und der Taucher im vollen Umfang auf die Risiken hinzuweisen.

Bei beidseitiger Schwerhörigkeit führt ein Verlust des Hörvermögens einer Seite zwar ebenfalls zu einer Verschlechterung des Gesamthörvermögens, jedoch ist die Relation eine andere. Man darf nicht vergessen, dass das Risiko einer einseitigen Ertaubung durch ein Barotrauma des Innenohrs oder eine Dekompressionserkrankung des Innenohrs als gering einzuschätzen ist. Aus diesem Grund kann die Tauchtauglichkeit bei beidseitiger Schwerhörigkeit großzügiger erteilt werden. Es besteht aber ein Restrisiko für eine deutliche Reduktion der Lebensqualität, wenn es zu einem Hörverlust einer Seite kommt.

Hörgeräteträger:

In den meisten Fällen tragen Patienten ein Hörgerät, das abgenommen werden kann. Es gibt verschiedene Typen, die entweder hinter dem Ohr, auf dem Brillengestell oder im Ohr Platz finden und den Schall verstärken und durch ein Ohrpaßstück im Gehörgang dem Trommelfell zuführen. Diese Patienten können ihr Hörgerät während des Tauchens abnehmen und ohne Einschränkungen tauchen. Durch das Tragen des Hörgeräts kommt es häufiger zu Gehörgangsentzündungen, die aber nicht anders zu behandeln sind als bei Patienten ohne Hörgerät auch.

Patienten mit Hörgeräten, die im Körper eingesetzt werden, unterliegen anderen Regeln. Genau wie bei Trägern von Cochlea Implants kann keine allgemein gültige Aussage getroffen werden, und man muss einen HNO-Arzt mit tauchmedizinischen Kenntnissen und den Hersteller zu Rate ziehen.