Risiko eines Tauchunfalls und Notfallnummern

Risiko einer Dekompressionserkrankung

Ein großer Teil der Patienten, die sich in meiner Tauchersprechstunde zur Abklärung ihrer Dekompressionserkrankung vorstellen, haben keine Dekompressionsvorschriften verletzt. Dies liegt zum einen daran, dass wenn man wegen beispielsweise Luftmangels eine Deko-Pause nicht einhält oder wegen Panik die Aufstiegsgeschwindigkeitsbegrenzung massiv verletzt kein Spezialist notwendig ist, um zu klären warum es zu einem Tauchunfall kam. Zum anderen kann man aber feststellen, dass wahrscheinlich mehr als 50 % aller DCI Fälle ohne Verletzung der Tauchvorschriften auftreten.

Das Risiko eine DCI beim Tauchen zu erleiden liegt ungefähr bei einem DCI Ereignis pro 2500 bis 5000 Tauchgänge. Die besten Daten hierzu gibt es im Tauchunfallreport von DAN. Hier werden seit vielen Jahren die Tauchunfallzahlen protokolliert und auch regelmäßig aufgearbeitet. Es gibt auch Auswertungen des Verbands Deutscher Sporttucher (VDST e.V.) die auf ähnliche Zahlen kommen und auch in einer Auswertung aus unserer eigenen Arbeitsgruppe, die wir 2007 veröffentlich haben, konnten wir diese Unfallzahlen bestätigen.

Interessanterweise stellten wir einen deutlichen Zusammenhang zwischen Taucherfahrung und Tauchunfallrisiko fest. Je erfahrener die Taucher waren, umso niedriger wurde ihr Tauchunfallrisiko. Tauchausbildung kann also vor DCI Fällen schützen (Klingmann in Aviat Space Environ Med. 2008)

Fasst man die Statistiken zusammen stellt man ebenfalls fest, dass Tauchen in Tiefen von mehr als 30 Meter zu einem höheren Unfallrisiko führt, wie auch Tauchen in kalten Gewässern. Interessanterweise kann man für Tek-Tauchgänge nicht immer zeigen, dass das Unfallrisiko steigt, dies liegt aber zum Teil an den geringeren Studiengrößen und wahrscheinlich an der Verharmlosungstendenz für milde Symptome: "Ein Tekki lamentiert eben nicht über den Schulterschmerz".

Zusammenfassend kann man sagen, dass man eigentlich immer mit einer DCI rechnen muss, da es auch in Schwimmbadtiefe zu einer Lungenverletzung mit anschließender Gasembolie kommen kann. Wirklich sichere Tauchgänge gibt es nicht und deshalb muss man auch für das Auftreten einer DCI gewappnet sein. Wer eine DCI hatte, hat meist nicht wirklich etwas falsch gemacht: es kann jeden treffen. Der Betroffene hatte möglicherweise einfach Pech.

Im Zweifel kann man sich in Deutschland umfangreich beraten lassen, wenn man sich nicht sicher ist, ob ein Tauchunfall vorliegt. Sowohl Aqua-Med, DAN, das schifffahrtsmedizinische Institut der Marine und der VDST bieten kostenlose Nummern an (abgesehen von dern Telefongebühren), unter denen man sich beraten lassen kann, ob ein Tauchunfall vorliegt und was weiter zu tun ist. Selbstverständlich werden die Kosten für die Behandlung nicht von diesen Organisationen übernommen, wenn man nicht zuvor einen Versicherungsschutz abgeschlossen hat.

 

Unfallnotrufnummer

Aqua-Med +49 700 348 354 63
DAN - Hotline, Deutschland und Österreich: 00800 326 668 783
DAN-Hotline, international: +39 06 4211 8685 oder +39 06 4211 5685
VDST Taucherarzt Hotline +49 69 800 88 616
Schifffahrtsmedizische Institut der Marine +49 431 5409 1441